Ahmad Mansour: Wir brauchen einen starken Rechtsstaat

26.05.2021

Ahmad Mansour hat israelische und palästinensische Wurzeln. Die bürgerkriegsähnliche Situation in Israel mache ihm Angst, sagt der Buchautor und Psychologe im Interview mit INTERN, dem Mitglieder-Medium der CDU Rheinland-Pfalz. Er fordert bei antisemitischer Hetze in Deutschland die ganze Härte des Rechtsstaats.

Herr Mansour, kurze Einschätzung der Situation in Israel: Warum ist es gerade jetzt zu dieser massiven Gewaltentladung gekommen – und lässt sich die Situation angesichts bürgerkriegsähnlicher Zustände in israelischen Städten überhaupt beruhigen?
Es gibt in Israel zwei Konflikte, die gerade sichtbarer werden. Der eine ist natürlich der Konflikt zwischen Arabern und Juden innerhalb Israels, den halte ich für viel gefährlicher, und dann gibt es noch den Konflikt mit der Hamas im Gaza-Streifen. Dort herrscht eine asymmetrische Kriegsführung, weil die Hamas keine Gründe braucht, um Israel anzugreifen. Das ist eine Terror-Organisation. Da gibt es keine Legitimation, keine Hintergründe, keine Rechtfertigung für das was von Seiten der Hamas passiert. Die bürgerkriegsähnliche Situation in Israel ist etwas, was mir Angst macht, aber Israel hat so etwas schon mal erlebt und auch dieser Konflikt wird in den nächsten Tagen zur Ruhe kommen. Die Leute werden zu ihrem Alltag zurückkehren und dieser Alltag besteht aus Begegnung und Zusammenleben. Diejenigen, die am Konflikt teilgenommen haben, waren nicht die Mehrheit, sondern eine radikale Minderheit.

In Deutschland hat es antisemitische Ausschreitungen gegeben. Wie bewerten Sie das Phänomen des eingewanderten Antisemitismus?
Antisemitismus ist herkunftsüberreifend. Man findet ihn auch in der Mehrheitsgesellschaft. Das, was wir in den letzten Tagen gesehen haben, ist ein eingewanderter Antisemitimus und das muss auch so benannt werden. Vor allem wir weil auch Lösungen dafür brauchen. Das, was wir gesehen haben, ist eine Schande in Deutschland. Das darf niemand akzeptieren. Das hat mit Israel-Kritik nichts zu tun, sondern waren reine antisemitische Straftaten.

Ihre Schlussfolgerungen daraus?
Wir müssen endlich unsere Hausaufgaben machen, die wir schon nach den letzten Ausschreitungen 2014 hätten machen müssen. Wir brauchen keine Sonntagsreden oder Mahnwachen, sondern eine Reform unseres Bildungssystems, damit wir auch die Migranten und Flüchtlinge erreichen und jedem klar machen, dass sowas in Deutschland nicht akzeptabel ist. Wir müssen den Nahostkonflikt in differenzierter Weise in der Schule vermitteln und wir müssen unsere Erinnerungskultur in einer vielfältigen Gesellschaft möglich machen. Wir brauchen bessere Integrationskurse und wir brauchen einen starken, einen sehr starken, Rechtsstaat, der sehr deutlich zeigt, dass sowas in Deutschland nichts zu suchen hat und das Menschen, die ihre antisemitischen Einstellungen offen leben, in dieser Gesellschaft nichts zu suchen haben.