Christian Baldauf präsentiert „Zukunftsagenda Bildung“ und Expertenteam

26.11.2020

MAINZ. Sprachtests im Vorschulalter, Startergruppen und kostenfreie Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen: CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf hat am Donnerstag in Mainz seine „Zukunftsagenda Bildung“ vorgestellt.  „Kinder sind das Beste, was wir in dieser Gesellschaft haben“, sagte Baldauf. „Sie haben ein Recht darauf, optimal gefördert zu werden. Die CDU will wieder gute Bildung garantieren – damit allen Kindern nach ihren Befähigungen ein hoffnungsvoller und glücklicher Weg ins Leben geebnet wird.“ 

In einer digitalen Pressekonferenz präsentierte Baldauf sein „Praktikerteam Bildung“, das ihn im Wahlkampf berät und sich programmatisch einbringt. Angeführt wird das Team von der Mainzer Gymnasiallehrerin Silvana Rödder. Den frühkindlichen Bereich deckt die langjährige Kita-Leiterin Elke Schanzenbächer aus Weisenheim am Berg (Landkreis Bad Dürkheim) ab. Jutta Bretz, Grundschulleiterin aus Lustadt (Landkreis Germersheim) und der Berliner Buchautor und Psychologe Ahmad Mansour komplettieren das Team. Die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Anke Beilstein, unterstützt die Arbeit der "Praktiker".

In der „Zukunftsagenda Bildung“ erneuert die rheinland-pfälzische CDU ihre Forderung nach flächendeckenden Sprachtests für Kinder im Vorschulalter. Mit sogenannten Startergruppen sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass der Übergang von der Kita in die Schule gut gemeistert werden kann. Kinder im letzten Kindergartenjahr sollen in den Kindertagesstätten fünf Stunden pro Woche auf den späteren Unterricht vorbereitet werden. 

Die CDU spricht sich für kostenfreie Nachmittagsbetreuung an den Grundschulen aus. „Daher wollen wir, dass die Kosten für diese bislang kostenpflichtige Betreuung am Nachmittag nach den Sommerferien vollständig vom Land übernommen werden“, heißt es in dem Papier.

Die Handschrift an den Schulen müsse wieder wertgeschätzt werden. „Die CDU will die Experimente auf dem Rücken der Kinder stoppen. Es wird eine verbindliche Schreibschrift in der Grundschule eingeübt“, schreiben die Autoren der Zukunftsagenda.

Gefordert wird eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent. „Wir brauchen dazu bis 2026 mindestens 2500 Lehrerinnen und Lehrer mehr an den Schulen in Rheinland-Pfalz. Daher wollen wir in einem fünfjährigen Zeitraum pro Jahr mindestens 500 Lehrerinnen und Lehrer mehr an den Schulen als im Vorjahr.“

Gerade die Coronakrise habe gezeigt, dass eine gute schulische digitale Infrastruktur enorm wichtig sei, so die „Zukunftsagenda“.  So brauche es zur Wartung von Hard- und Software digitale Betreuer an den Schulen in Rheinland-Pfalz.

Angesichts der jüngsten Corona-Beschlüsse sagte Baldauf, die von den Ländern durchgesetzten Regelungen im Hinblick auf die Gewährleistung des Präsenzunterrichts an den Schulen seien nicht ausreichend. "Denn Übereinstimmung besteht darüber, dass Präsenzunterricht die beste Form des Unterrichts darstellt. Dieser wird aber nur möglichst lange aufrecht erhalten werden können, wenn das Infektionsrisiko möglichst schnell, möglichst weit verringert wird. Das kann insbesondere durch flexible Modelle des Hybrid- und Wechselunterrichts und des entzerrten Unterrichtsbeginns geschehen. Dafür setzt sich die CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz gegen den Widerstand der Landesregierung seit Wochen ein."

Silvana Rödder forderte die Konzentration auf das Wesentliche: „Lesen, Schreiben, Rechnen.  Zeit zum Einüben statt Überfrachtung mit allem und jedem. Wenn die Kinder auf die weiterführenden Schulen gehen, dann müssen sie dasselbe gelernt haben: eine einheitliche Schrift, das kleine Einmaleins und Respekt füreinander.“ In der Debatte um Digitalisierung nannte die Gymnasiallehrerin es einen „Skandal“, dass Schulen im Jahr 2020 kein W-Lan hätten. Neben der technischen Ausstattung brauche es eine „neue Aufklärung“. „Damit die Menschen die Computer beherrschen und nicht die Computer die Menschen. In diesem Sinne sagen wir: Denken first – weil Menschen nicht nur Anwender sind, sondern die digitale Welt gestalten müssen.“

Rödder forderte eine neue Bildungsoffensive. „Aufstieg durch Bildung – das war die Erfolgsgeschichte unseres Landes – aber sie hat nicht alle erreicht.  Und für all die, die er nicht erreicht hat, müssen wir den deutschen Traum wiederbeleben.“

Der Berliner Autor und Psychologe Ahmad Mansour betonte: „Wir brauchen Schulen und Lehrer, die Werte und Medienkompetenz vermitteln. Dabei muss die Politik helfen. Es geht um eine Schule, in der nicht Herkunft entscheidet, sondern die Einstellung zu demokratischen Werten. Das bedeutet nicht, dass man nicht Herausforderungen angeht, etwa beim Kampf gegen Antisemitismus.“

Grundschulleiterin Jutta Bretz forderte die Einführung einer verbindlichen Handschrift. „Jede Schule kann aktuell selbst entscheiden, welche Schrift sie den Kindern beibringen möchte. Dieser bunte Fleckenteppich wirkt sich vor allem auf die weiterführenden Schulen aus, die nicht wissen, welche Schrift die Kinder lesen bzw. schreiben können.“ Auch Bretz forderte: Wichtigstes Ziel der Grundschule bleibe es, die Grundtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln. Andere Ziele hätten sich unterzuordnen. In den vergangenen Jahren seien allerdings immer mehr Aufgaben und Anforderungen an die Schulen herangetragen worden.

Die langjährige Kita-Leiterin Elke Schanzenbächer unterstützte den Vorstoß der CDU, sogenannte Startergruppen einzurichten. Diese würden Kindern den Übergang von der Kita in die Schule erleichtern. „Startergruppen nehmen nicht Lernelemente des ersten Schuljahres vorweg, sondern stärken das Kind in seinen Kompetenzen. Das steigert Lernerfolge und schafft Voraussetzungen, die Schule bestmöglich zu meistern.“ Dazu brauche es deutlich mehr Personal an den Kitas.

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