Dr. Christoph Gensch: Frauenförderung ja, Zwangsquoten nein

13.11.2018
Pressemitteilung

Die Ministerpräsidentin offenbart in ihrem Gastbeitrag in der FAZ (12.11.) - „Wir haben viel zu verlieren“ - ein fragwürdiges Demokratieverständnis. 

Der von ihr verfolgte Ansatz der Parität führt im Ergebnis dazu, dass nicht mehr die Wählerinnen und Wähler alleine über die Zusammensetzung der Parlamente entscheiden, sondern dass Entscheidungen vorgegeben werden.

Außerdem wird dadurch auch die innerparteiliche Demokratie eingeschränkt. Es geht dann nicht mehr um einen offenen demokratischen Wettbewerb. Das führt zur Einschränkung der individuellen Auswahl. Selbstverständlich brauchen wir mehr Frauen in der Politik. Aber nicht durch Zwangsquoten, sondern durch die Gestaltung von Rahmenbedingungen, die es Frauen erlauben, Arbeit, Familie und politisches Engagement zu verbinden. Das ist echte Selbstbestimmung.

Noch längst gibt es nicht überall in Deutschland Chancengleichheit für Frauen. Wir müssen dort hinschauen, wo Frauenrechte nach wie vor mit Füßen getreten werden: Besonders dort, wo sich Frauen in Zwangssituationen befinden. Viele Frauen und Mädchen besonders aus muslimischen Familien, die sich dem unbedingten Willen des männlichen Familienoberhaupts unterordnen müssen, brauchen unsere Unterstützung. Viel zu lange haben viele Feministinnen hier aus falsch verstandener Toleranz weggeschaut. Die Positionierung von Frau Dreyer ist nichts anderes als wohlfeiler Wohlstandsfeminismus und ist zutiefst illiberal.

(Nr. 097/2018 - 13.11.2018)