Klöckner und Baldauf: Bildung darf nicht zur sozialen Frage werden

17.08.2020

MAINZ. Dienstlaptops für Lehrer, eine Herbstschule, ein landesweites Sanierungsprogramm für Schultoiletten, mehr Schulbusse, verpflichtende Deutschtests in den Kitas, 110-prozentige Unterrichtsversorgung und Starterklassen: Das sind einige der bildungspolitischen Forderungen der CDU Rheinland-Pfalz. Am Montag wollte die CDU auf ihrer Klausurtagung in Mainz ein umfassendes bildungspolitisches Papier („Mainzer Erklärung“) verabschieden, das diese Punkte aufgreift. 

„Corona hat viele Probleme an unseren Schulen verschärft. Die Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger liebloser Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz“, sagte die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner. „Wir fordern eine faire Bildungspolitik, die allen Kindern gleiche Chancen bietet. Wir wollen ein Rheinland-Pfalz, das Kindern die beste Bildung ermöglicht, unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern.“

Klöckner übte Kritik an der Landesregierung zum Schulstart. „Die Landesregierung hat den Schulstart verstolpert. Die Schulen bleiben sich selbst überlassen. Zwar beschreibt die Regierung verschiedene Szenarien. Aber eine Landesregierung darf nicht nur Probleme beschreiben, sondern sie muss auch Lösungen bieten. Es geht darum, sich konkret damit auseinanderzusetzen, was in Zeiten einer Pandemie an Lernen möglich ist, sei es in der Digitalisierung, sei es im Präsenzunterricht.“

CDU-Spitzenkandidat und Landtagsfraktionschef Christian Baldauf ergänzte: „Ich mache mir große Sorgen, dass wir die Bildung vernachlässigen. Hier geht es um soziale Fairness. Deshalb werde ich die Bildungspolitik in den Mittelpunkt stellen und sie, wenn wir gewinnen, auch zur Chefsache machen.“

Baldauf listete den aktuellen Forderungskatalog der CDU auf. „Wir fordern vom Land mehr Schulbusse, ein Sanierungsprogramm für Schultoiletten und die Vorbereitung einer Herbstschule. Lehrer müssen Laptops und Schüler digitale Endgeräte erhalten. Ebenso sprechen wir uns für  ‚digitale Hausmeister‘ an den Schulen und landeseinheitliche und benutzerfreundliche Lernplattformen aus. Schulen brauchen Zugang zum schnellen Internet!“

Gerade die frühe Bildung müsse in den Vordergrund gerückt werden, so Baldauf weiter. Dabei solle die Vorschularbeit im letzten Kindergartenjahr auf neue, verbindliche Grundlagen gestellt werden. „Deshalb braucht es verbindliche Deutschtests im Kindergarten. So können unterschiedliche Sprachfähigkeiten erkannt und gezielt gefördert werden.“

Baldauf: „Lesen, Rechnen und Schreiben sind Kernkompetenzen in der Schullaufbahn. Trotzdem verlässt ein Drittel der Schüler in Rheinland-Pfalz die Grundschule, ohne sicher lesen und schreiben zu können. So sieht keine faire Bildungspolitik aus!“

Baldauf weiter: „Wir sprechen uns zudem für Starterklassen im letzten Kindergartenjahr aus. Eine solche Klasse nimmt nicht das erste Schuljahr vorweg, sondern dient der sozialpädagogischen Entwicklungsförderung des einzelnen Kindes. Gerade Kinder, die im Elternhaus kaum gefördert werden und wenig Kontakt zu Gleichaltrigen haben, kann diese Unterstützung enorm helfen.“ Die CDU wolle überdies eine bessere Personalausstattung der Kitas und eine Entlastung der Erzieher.

Baldauf nannte die Unterrichtsversorgung an den rheinland-pfälzischen Schulen mangelhaft. Auch gebe es zu viele befristete Stellen. Dadurch würden viele gut ausgebildete junge Lehrer in Nachbarländer abwandern. „Fast zehn Prozent des Unterrichts fallen aus. Da hilft auch kein Schönrechnen. Wir wollen eine 110-prozentige Versorgung an unseren Schulen. Fair wäre es, mehr und sichere Lehrerstellen zu schaffen. Wir sind der Meinung: Bildung darf nicht zur sozialen Frage werden.“  

CDU-Generalsekretär Gerd Schreiner forderte die Landesregierung auf, die Förderschulen nicht weiter zu vernachlässigen. Auch bei der Förderung von begabten Kindern vermisst er ein Konzept. Schreiner warb um einen neuen Blick auf den Fächerkanon. So sei die Einteilung in Haupt- und Nebenfächer überkommen. „Wir müssen neben den grundlegenden Kenntnissen in Lesen, Schreiben und Rechnen auch andere schulische Disziplinen im Blick haben“, sagte Schreiner. „Wer Ideen entwickeln will, wer Patente ‚made in Germany‘ sichern will, braucht die sogenannten Mint-Fächer Mathe, Chemie, Biologie, Physik und Informatik. Und zwar bereits in den ersten Schuljahren. Gleiches gilt für die Nebenfächer Religion, Sport, Kunst, Musik und Gesellschaftslehre. Wer weiß, wo er herkommt, worin seine Werte begründet liegen, diese immer wieder neu entdeckt, ist in sich selbst gefestigt. Es muss Teil einer fairen Bildungspolitik sein, dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit bekommen, herauszufinden, wer sie sind und was sie ausmacht.“

Sieben Monate vor der Landtagswahl zeigte sich Generalsekretär Gerd Schreiner kämpferisch. „Wir treten an, um stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz zu werden. Wir wollen das Land mit der besten Bildung, den besten Chancen für unsere Kinder, den besten Straßen, einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung und dem schnellsten Internet werden. Wir sind die Zukunftspartei.“