„Mehr Zeit für Kinder" - CDU startet große Kinderoffensive

04.06.2020

MAINZ. Alles redet von Bundesliga, Gastronomie und Einzelhandel – doch wer denkt an die Kinder und Jugendlichen? „Kinder und Jugendliche sind besonders von der Coronakrise betroffen“, sagte CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf am Donnerstag in Mainz. „Sie durften keinen Sport machen und ihre Freunde nicht treffen. Abifeiern fielen aus, Jugendheime blieben zu. In der gesamten Debatte blieb das Recht der Kinder auf Bildung, Teilhabe und Chancengerechtigkeit unberücksichtigt. Die Lehren aus der Corona-Krise zeigen: Kinder brauchen eine stärkere Lobby in der Gesellschaft - und das nicht nur in ’Schönwetterzeiten’!“

Aus diesem Grund startet die CDU Rheinland-Pfalz eine große Kinderoffensive. CDU-Generalsekretär Gerd Schreiner: „Wir wollen Kindern und Jugendlichen zuhören. Wir werden die junge Generation in Videos zu Wort kommen lassen und sie auf Social Media befragen. Wie sind ihre Erfahrungen in der Krise? Unser Spitzenkandidat trifft sich dazu virtuell wie analog mit Lehrern, Erziehern, Eltern und Schülervertretungen. Wir planen große Events, um auf die Generation Corona aufmerksam zu machen. Die Auswertung wollen wir mit Blick auf das Wahlprogramm in unsere Programmarbeit einfließen lassen.“ Die CDU-Landtagsfraktion plant zudem einen großen Kinderkongress Rheinland-Pfalz – dort geht es um die Stärkung der Kinderrechte. Eingeladen werden Verbände, Organisationen und Interessenvertretungen, die sich beim Thema Kinder engagieren.

Recht auf mehr Zeit und Heimat

CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf: „Alle reden von Kinderrechten. Wir auch. Kinder haben das Recht auf mehr Zeit, mehr Raum und haben ein Recht auf Heimat.“ Familien bräuchten die Freiheit, sich trotz und gerade wegen eines fordernden Arbeitslebens für ihre Kinder Zeit nehmen zu können. Baldauf: „Warum kann ich während der Schulzeit nicht ein Kontingent an Stunden leisten, das ich in den Ferien nutze? Flexible Arbeitszeitmodelle sollte man über wesentlich längere Zeiträume denken.“
Insbesondere in den Städten gebe es zu wenig Freiraum für Kinder. Dabei gehe es nicht nur um neue Spielplatzrichtlinien; sondern um neue Wohnungsbaurichtlinien, darum, trotz hoher Grundstückspreise und hoher Gewinnmargen Flächen frei zu halten, Plätze und Parks zu schaffen – und dabei insbesondere für Kinder auch Rückzugsräume zu schaffen.

Baldauf: „Kinder wollen wissen, wo sie hin gehören. Dazu gehört ihre Verwurzelung in der eigenen Familie, aber auch die Verwurzelung im Ort, im Dorf, in der Nachbarschaft. Für ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz bedeutet das nichts anderes als kleine Kindergärten und kleine Schulen. Kurze Beine, kurze Wege bedeutet, dass eine Dreiviertelstunde Fahrt mit dem Schulbus unsere Kinder eben von ihrem Lebensraum zu weit entfernt.“

Für verbindliche Sprachtests

Die rheinland-pfälzische CDU erneuerte ihre Forderung nach mehr Förderkursen im Bereich Deutsch sowie verbindlichen Sprachtests vor der Einschulung mit entsprechenden Fördermöglichkeiten für die Kinder. Baldauf: „Wir haben schon vor Corona auf die großen sprachlichen Defizite von Schulkindern hingewiesen. Ein Drittel der Kinder verlässt in Rheinland-Pfalz die Grundschule, ohne richtig schreiben und lesen zu können. Es gibt kein flächendeckendes Konzept und zu wenig Personal für Sprachförderung. Das hat gravierende Folgen.“ Die Corona-Krise wirke da wie der Brandbeschleuniger liebloser, rheinland-pfälzischer Bildungspolitik. Das gelte auch für die Digitalisierung. Die Lehrer müssten jetzt dringend vom Land mit Notebooks und Smartphones ausgestattet werden.

CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner verwies auf wissenschaftliche Studien, nach denen die Phasen ohne Schulunterricht bestehende Unterschiede zwischen Kindern mit niedrigem und höheren sozioökonomischen Hintergrund vergrößere, etwa bei Mathe und Sprachen. Die Krise verstärke die soziale Ungleichheit. „Für die Kinder bedeuten Schulschließungen neben fehlender Bildung auch erhebliche psychosoziale Belastungen, etwas eine Zunahme häuslicher Gewalt und die Entwicklung von Adipositas aufgrund fehlender Bewegung. Gar nicht im Blick sind junge Menschen, die an Förderschulen sind oder eine Beeinträchtigung haben. Auch existieren Untersuchungen, nach denen in der Corona-Krise die Schere zwischen Kindern je nach familiären Hintergrund immer weiter auseinander geht.“ Klöckner weiter: „Es geht um die Zukunft unserer Kinder! Laut Ifo-Zentrum für Bildungsökonomik entspricht ein Drittel eines Schuljahres an verlorenem Lernen später einem verminderten Erwerbseinkommen von drei bis vier Prozent.“