Wer Inklusion ernst nimmt, kann den Gentest auf Rezept nicht richtig finden

20.08.2016
Pressemitteilung

Julia Klöckner äußert sich dazu, dass der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen Bluttests zur Früherkennung des Down-Syndroms prüft.

Der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen möchte prüfen, ob Bluttests in der Schwangerschaft zur Früherkennung des Down-Syndroms künftig von den Krankenkassen bezahlt werden. Die Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende, Julia Klöckner MdL, hält dies für „sehr problematisch aufgrund ethischer Aspekte“. Bei der Entdeckung von Trisomie 21, dem Down-Syndrom, kommt es in rund 90 Pro­zent der Fälle zu einem Schwangerschaftsabbruch.

Julia Klöckner: "Wird der Gen-Test inklusive Schwangerschaftsabbruch wirklich zur Regelleistung der Krankenkassen, wird dies auch gesellschaftliche Auswirkungen haben. Ich glaube, das wird unsere Gesellschaft verändern, die Temeperatur wird kälter, wenn solche Tests inklusive Schwangerschaftsabbruch als Routineangebot angesehen werden. Das suggeriert, es gäbe ein perfektes Kind und dass der Mensch mit Behinderung nicht vollwertig ist.

Natürlich wünschen sich zurecht alle Eltern ein gesundes Kind, wie sollte es auch anders sein? Und Eltern mit beeinträchtigen Kindern brauchen Hilfeleistungen und solidarische Unterstützung. Wenn aber über Kassenleistungen vermittelt wird, ´das muss doch nicht sein, dass Du ein Kind mit Down-Sydrom zur Welt bringst, das kann man doch im Vorfeld routinemäßig wie den Blutdruckmessen feststellen, das gehört doch zum guten Ton´, dann werden behinderte Menschen massiv in Frage gestellt und Eltern behinderter Kinder geraten in Rechtfertigungszwang. Der Druck auf werdende Mütter steigt, nur gesunde Kinder zur Welt bringen zu müssen.

Wir können und sollten nicht über Eltern urteilen, die sich anders entscheiden, das wäre anmaßend. Aber die, die sich entscheiden für ein Leben mit einem behinderten Kind, die brauchen unseren Respekt, unsere Achtung und unsere Unterstützung, damit das Leben gelingen kann - sie brauchen nicht den Vorwurf, dass sie selbst schuld seien, weil man auf das Kind hätte verzichten können, ein Bluttest der Kasse hätte das ja verhindern können.

Diese ethisch weitreichende Entscheidung muss in die Parlamente und nicht nur in das Gremium des Gemeinsamen Bundesausschusses. Wir müssen eine gesellschaftliche Debatte darüber führen, auch in Rheinland-Pfalz. Und ich würde es begrüßen, wenn unsere Landesregierung hier eine Bundesratsinitiative starten würde."